Fo.KUS Konsum, Umwelt & Soziales

 

Fokus Internet - Potenzial & Herausforderungen

Das Internet ist zu einem erstrangigen Ort für Konsumentscheidungen geworden. Preissuchmaschinen, Meinungsportale, Handels- und Auktionsplattformen, Versandhändler und Verbraucherinstitutionen bieten Informationen oder Angebote feil. Über 50 Mio. Deutsche treffen hier jährlich viele Hundertmillionen Konsumentscheidungen, die zu Einkäufen online oder im stationären Einzelhandel führen. Tendenz: rasant steigend.

Diese Verlagerung von Informations- und Entscheidungsarbeit in das Internet hängt zusammen mit der enormen Fülle von Informationen, der Nutzbarkeit strukturierender Such- und Vergleichstechniken, intuitiver Navigation und den Möglichkeiten erhöhter Markttransparenz und leichterer Informationsgewinnung.

Defizite ...

Die Nachteile und Risiken zeigen sich in der Fehler- und Lückenhaftigkeit von Informationen über Produkte, Anbieter und Hersteller, in der Informationsüberlastung der Suchenden, in der Manipulation der Ergebnisse von Suchprozessen, von Wahrnehmungen und Bedürfnisempfindungen. Die Verbraucher stehen von Oligopolen und Quasi-Monopolen geprägten Informationsinfrastrukturen gegenüber: eine Handvoll Suchmaschinen und Handelsplattformen dominieren die Informationssuche im E-Commerce.

... und Chancen

Das Internet bietet ein erst ansatzweise genutztes immenses Potenzial, nachhaltige Konsummuster zu fördern: zuvor nie dagewesene Informationsangebote von Zivilgesellschaft und Wirtschaft, interaktive Austauschformen über Produkte und Lebensstile, neuartige Orientierungsmöglichkeiten und Such- und Vergleichstechniken, die die Entscheidungen erleichtern. Besonders wirksam ist, wenn glaubwürdige und instruktive öko-soziale Produktinformationen die Verbraucher unmittelbar im Entscheidungsprozess, nahe am "Point of Sale", erreichen, was mit den früheren Verbraucherinformationsmedien (Print) nur schwer möglich war.

Einige Pilotprojekte, Initiativen und Praxiserfahrungen zeigen schon heute, was hier möglich ist. Neue Wege zur Produkttransparenz gehen Portale wie bio-mit-gesicht.de, blauer-engel.de codecheck.info, EcoShopper.de, testberichte.de oder utopia. Wesentliche Produktmerkmale werden hier mit Inhaltsstoffen, Qualitätszertifikaten, Testurteilen oder Nutzerbewertungen kommuniziert. Flankierend unterstützt label-online.de die Interpretation von Zertifikaten. Konsumfolgen, Lebenszeitkosten und Unternehmensprofile sind Thema in CSR-Tests, Spargeräte-Tests bei TEST.de oder barcoo. Über eine App für Fotohandys liefert barcoo durch das Scannen von Barcodes Hintergrundinfos und Preisvergleiche.

Die zentrale aktuelle Herausforderung besteht darin, die ökologischen und sozialen Profile der Produkte im Massenmarkt erkennbar zu machen. In dem Maße, wie sich die Qualität und Präsenz der Daten über nachhaltigkeitsrelevante Produktmerkmale auch außerhalb "der grünen Nische" verbessert, können Verbraucher bewusster und differenzierter auswählen. Wenn etwa Waren ein Umweltzeichen tragen, sollte dies auch erkennbar sein - heute noch immer keine Selbstverständlichkeit. Von besonderer Bedeutung für fundiertere Konsumentscheidungen sind die – aktuell in sehr unterschiedlicher Qualität vorhandenen - Produktdaten, die von Anbietern, Marketingnetzwerken und Suchmaschinen erzeugt und publiziert werden. Transparenzzuwachs erfordert hier hochwertige Produktdaten, die den Informationsbedürfnissen der Öffentlichkeit gerecht werden.


Forschung und Kommunikation für Konsum, Umwelt & Soziales (Fo.KUS) e.V.